Dein innerer Begleiter
Hast du manchmal das Gefühl, von einer Emotion wie Angst oder Traurigkeit überwältigt zu werden? Eine sehr wirkungsvolle psychologische Methode ist, diesem Gefühl eine Gestalt zu geben – es wie eine Person oder einen Charakter zu behandeln. Indem du deiner Angst ein Gesicht gibst, verwandelst du einen ungreifbaren Zustand in einen greifbaren "Begleiter".
1. Distanz schaffen (Externalisierung)
Anstatt zu denken 'Ich bin ängstlich', beginnst du zu denken 'Meine Angst ist bei mir'. Du bist nicht mehr mit dem Gefühl verschmolzen, sondern kannst es als etwas Separates beobachten. Das allein reduziert die Macht der Emotion.
2. Positive Absicht erkennen
Kein Gefühl entsteht ohne Grund. Oft will uns die Angst beschützen, auch wenn sie überreagiert. Frag sie: 'Wovor versuchst du mich zu beschützen?' (Schau dazu nochmal die Seite Schematherapie an).
3. Negativität entmachten (Defusion)
Wenn du dir vorstellst, wie dein Begleiter in übertriebener Dramatik zu dir spricht, entlarvst du die übertriebene Ernsthaftigkeit. Humor und eine neue Perspektive nehmen den Gedankenspiralen ihre Energie.
Schritt 1: Personifizieren
Gib dem Gefühl einen Namen und eine Gestalt. Wähle eine Figur, die sich für dich stimmig anfühlt (z.B. ein strenger Wächter, ein zitterndes Tier, eine graue Wolke).
Schritt 2: Beobachten
Wann taucht dein Begleiter auf? Versuche, ihn einfach nur wahrzunehmen, wenn er den Raum betritt, ohne ihn sofort wegschicken zu wollen. Sag innerlich: 'Ah, da bist du ja wieder.'
Schritt 3: In den Dialog treten
Stelle deinem Begleiter neugierige und offene Fragen. Du musst nicht sofort eine Antwort erwarten, aber das Stellen der Frage allein verändert schon deine Perspektive.
In den Dialog treten
Diese Übung ist ein fortlaufender Dialog. Du kannst sie jederzeit in Gedanken durchführen, wenn du merkst, dass das Gefühl auftaucht. Fragen, die du deinem Begleiter stellen kannst:
- ?
«Hallo. Warum zeigst du dich gerade jetzt?»
- ?
«Wovor genau versuchst du mich in diesem Moment zu beschützen?»
- ?
«Was ist das Allerschlimmste, was deiner Meinung nach passieren könnte, wenn ich nicht auf dich höre?»
- ?
«Was brauchst du von mir, damit du dich etwas beruhigen kannst?»
- ?
«Welche Stärke von mir siehst du, die ich gerade übersehe?»
- ?
«Welchen Rat würdest du mir geben, wenn du keine Angst hättest?»
Wichtiger Hinweis: Dein Begleiter ist nicht dein Feind. Er ist ein Teil von dir, der Aufmerksamkeit und Verständnis braucht. Ziel ist es nicht, ihn zu vernichten, sondern zu lernen, mit ihm zusammenzuarbeiten und ihm die Führung zu entziehen, wenn seine "gut gemeinten" Ratschläge nicht mehr hilfreich sind.
Überleg dir: Welche Figur würde passen und zu welcher Emotion gehört sie?